Neue Studie zum Niedriglohnsektor in Deutschland

Eine neue Studie der Stiftung DIW Econ zeigt die Nebenwirkungen der Ausweitung des Niedriglohnsektors der letzten Jahre auf: Zwar konnte das politische Ziel weitgehend erreicht werden, langzeitarbeitslose und geringqualifizierte Menschen in Arbeit zu bringen. Aber auch höher qualifizierte Tätigkeiten werden immer häufiger nur mit Niedriglohn bezahlt, im Jahr 2018 betrug der Anteil 40 %. Die Hoffnung auf einen möglichen Aufstieg wurde zudem bei den meisten nicht erfüllt, denn dies gelang nur etwa 1/4 der Betroffenen. Im Vorwort weist der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, zudem darauf hin, dass insbesondere Minijobber_innen von der aktuellen Corona-Krise besonders stark betroffen sind. Sie arbeiten überwiegend zum Niedriglohn, haben aber keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Link zur Studie

Gleichstellungsreport der Hans-Böckler-Stiftung

WSI Report, Februar 2020

Mit dem Gleichstellungsreport vom Februar 2020 legt die Hans-Böckler-Stiftung eine 50-seitige Übersicht über den aktuellen Stand der Geschlechtergleich­stellung in Deutschland mit Fokus auf den Arbeits­markt vor. Frauen verdienen immer noch weniger als Männer, u. a. aufgrund ihrer unbezahlten Care-Arbeit. Im Alter haben Frauen dann nach dem Report ein 53 Prozent geringeres Einkommen.

Link zum Report

Wohnen in Deutschland: Bruttokaltmietbelastung 27,2 %

Nach einer bereits im Oktober veröffentlichten Auswertung der Mikrozensusdaten zum Thema „Wohnen“ liegt die durchschnittliche Bruttokaltmietbelastung in Deutschland bei 27,2 %, bei Einzug ab 2015 sogar bei 28,6 %. Hinzu kommen noch die Heizkosten. Überdurchschnittlich belastet sind die Mieter_innen in Metropolen und größeren Städten. Die höchsten Nettokaltmieten zahlen Mieter_innen von privaten Wohnungsunternehmen.

Link zur ausführlichen Pressemitteilunghttps://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/10/PD19_N001_129.html

Link zu den gesamten Daten im Excelformathttps://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Wohnen/Publikationen/Downloads-Wohnen/wohnen-in-deutschland-5122125189005.xlsx?__blob=publicationFile

Neuer Armutsbericht vom DPW

Auch dieses Jahr hat der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (DPW) wieder die Daten des Statistischen Bundesamts zur Einkommensarmut aufgearbeitet und in einem umfassenden Armutsbericht analysiert. Erstmalig seit mehreren Jahren ist die Armutsquote 2018 mit 15,5 % etwas gesunken (2017: 15,8 %). Trotzdem liegt damit noch fast jede_r Siebte unter der Armutsrisikogrenze von 60 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens in Deutschland. Regional stellt der DPW ein „viergeteiltes Deutschland“ fest: Der wohlhabendere Süden, ärmere Regionen in Ost und West sowie eine durchschnittliche Mitte. Im Bericht werden sofortige Maßnahmen wie die Anhebung des ALG-II_Satzes sowie des Mindestlohns gefordert, um die weitere Angleichung der Lebensverhältnisse zu ermöglichen.

Link zum Berichthttps://cloud.paritaet.org/index.php/s/YGZJWLJY5TQzZXM/download

ALG-II-Bezieher_innen achtmal so viel Fehltage aufgrund psychischer Erkrankung wie Erwerbstätige

Lt. aktuellem Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen (BKK) haben sich die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Dabei sind erwerbslose Menschen im ALG-II-Bezug weit überdurchschnittlich betroffen: Im Mittel weisen sie ca. das achtfache der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen gegenüber den Beschäftigten auf. Auch sonst fällt diese Versichertengruppe durch längere Falldauern und eine größere Betroffenheit von chronischen Krankheiten auf.

Link zum Gesundheitsreport

Verdeckte Altersarmut in Deutschland

Nach einem aktuellen Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) deutet die starke Nichtinanspruchnahme von Grundsicherung auf eine hohe verdeckte Altersarmut hin. So werde die Grundsicherung im Alter von rund 60 Prozent der Anspruchsberechtigten nicht in Anspruch genommen. Um diese verdeckte Altersarmut zu bekämpfen, sollte das Antragsverfahren lt. DIW vereinfacht und die Bewilligungsdauer verlängert werden.

Link zum Bericht

Einkommen in Deutschland immer ungleicher verteilt

Wie in einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung festgestellt wurde, befindet sich die Einkommensungleichheit „trotz der über Jahre guten wirtschaftlichen Entwicklung auf einem historischen Höchststand“, wie über den sogenannten Gini-Koeefizienten berechnet werden kann. Er lag Ende 2016 um 2 % höher als noch 2005. Hohe Einkommensgruppen konnten weiter zulegen, die untersten 40 % dagegen sind zurückgefallen. Die Armutsquote liegt im Berechnungsjahr 2016 auf einem entsprechend hohen Niveau von 16,7 %.

Link zum WSI-Verteilungsbericht 2019 https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_53_2019.pdf

Mietpreisbremse verfassungsgemäß

Das Bundesverfassungsgericht hat abschließend geurteilt, dass die Mietpreisbremse nicht gegen die Verfassung verstößt. Begründet wird dies u. a. in Absatz 60 des 33-seitigen Urteils:
„Der gesetzgeberische Zweck, durch die Begrenzung der Miethöhe bei Wiedervermietung der direkten oder indirekten Verdrängung wirtschaftlich weniger leistungsfähiger Bevölkerungsgruppen aus stark nachgefragten Wohnquartieren entgegenzuwirken, liegt im öffentlichen Interesse.“

Zum Urteil

Zur Pressemitteilung vom 20.08.2019

Einkommen in Deutschland regional ungleich verteilt

In einer Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung wurde das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte untersucht. „Verfügbar“ meint hier das Einkommen, das für Konsum verwendet oder gespart werden kann. Durchschnittlich hatten die Bürger_innen danach 2018 pro Kopf 23.295 Euro zur Verfügung – 12,3 % mehr als noch 2000. Der Durchschnitt trügt jedoch, denn Schlusslicht Gelsenkirchen hat mit nur 16.203 Euro weniger als die Hälfte von Spitzenreiter Starnberg (34.987 Euro) pro Kopf zur Verfügung (Daten aus 2016). Reichste Großstadt ist mit 29.685 Euro München.

Kurzberichthttps://www.boeckler.de/pdf/wsi_vm_verfuegbare_einkommen.pdf