Inflation als Armutstreiber

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wird die Inflationsrate im August 2022 voraussichtlich +7,9 % (zum Vorjahresmonat) betragen – ein Anstieg um 0,3 % im Vergleich zum Juli 2022. Während Dienstleistungen und Mieten nur mit 2,2 % und 1,8 % zu Buche schlagen, sind es bei den Energiekosten satte 35,6 % und bei Lebensmitteln 16,6 %. Laut einem Beitrag der taz vom 30.08.2022 prognostiziert der Banken-Verband, dass aktuell etwa 40 % der Haushalte in Deutschland schon jetzt so gut wie keine Ersparnisse haben. Bis zu 60 % würden in den nächsten Monaten angesichts der massiv gestiegenen Preise kaum etwas zurücklegen können. Die hohe Inflation wird damit zum Armutstreiber, da einkommensarme Menschen hier kaum Einsparmöglichkeiten haben.

Pressemitteilung vom 29.08.2022

taz vom 30.08.2022

Einkommensarmut 2021 auf Rekordniveau

Laut aktuellem Armutsbericht des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands stieg die Einkommensarmut in Deutschland 2021 auf ein Rekordniveau. Laut den Daten, die auf den amtlichen Erhebungen des Statistischen Bundesamts beruhen, waren 2021 ingesamt 16,6 % der Menschen in Deutschland einkommensarm (bzw. nach amtlicher Definition armutsgefährdet): Sie lagen mit ihrem nach Haushaltsgröße gewichtetem Einkommen unter 60 % des Durchschnittseinkommens. Laut dem Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider, seien die nach diversen soziodemografischen Merkmalen analysierten Befunde „erschütternd“, denn [n]och nie wurde auf der Basis des amtlichen Mikrozensus ein höherer Wert gemessen und noch nie hat sich die Armut in jüngerer Zeit so rasant ausgebreitet wie während der Pandemie” (s. Website-Kommentar zum Bericht). Der Verband fordert daher „umgehend ein neues Maßnahmenpaket, das bei den fürsorgerischen Leistungen ansetzen müsse, konkret den Regelsätzen in der Grundsicherung, bei Wohngeld und BAföG“ (ebd.).

Armutsbericht des DPWV

Kommentar des DPWV zum Armutsbericht

Arme Studierende

30 % der Studierenden in Deutschland sind von Einkommensarmut betroffen, wie einer aktuellen Expertise der Paritätischen Forschungsstelle zu entnehmen ist. 4/5 sind es sogar, wenn nur die alleinlebenden Studierenden betrachtet werden. Daher brauche es weitreichende BAföG-Reformen, mit denen bspw. der Kreis der Berechtigten erhöht wird.

Link zur Studie

„Wer gewinnt? Wer verliert?“ Diskrepanz zwischen den Erwerbseinkommen von Männern und Frauen in Deutschland

Ein Forscher_innenteam der Freien Universität Berlin und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung legt den dritten und abschließenden Teil einer Studie zu den Gewinner_innen und Verlierer_innen des strukturellen Wandels auf dem Arbeitsmarkt vor. Das Ergebnis zeigt, dass die Gender-Lücke im Bruttolebenserwerbseinkommen von heute Mitte-30-Jährigen rund 45 % beträgt. Dabei spielt der Familienkontext eine große Rolle, so verdienen Mütter im Vergleich mit Männern im Durchschnitt sogar 62 % weniger. Die Autor_innen schlussfolgern daher, dass statt monetärer Kompensation vor allem „verbesserte Kinderbetreuungsoptionen und ein entsprechender Kulturwandel in Unternehmen und Gesellschaft“ die Gender-Lücke schließen könnten.

Link zur Studie

Gerechter erben ist möglich

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) weist regelmäßig darauf hin, dass die Vermögen in Deutschland ungleich verteilt sind. So besitze das obere 0,1 % ein Fünftel des Vermögens, die untere Hälfte jedoch nichts. Das Institut hat nun einen Vorschlag konkretisiert, der seit Kurzem auch in der Politik diskutiert wird: Ein sogenanntes Grunderbe für 18-Jährige, das vom Staat finanziert wird. Kosten solle das Ganze 15 Milliarden Euro, finanziert u. a. durch die im OECD-Vergleich sehr niedrige Erbschaftssteuer.

Link zum Bericht

Armutsbericht für das erste Pandemiejahr 2020

Der Paritätische legt aktuell den Armutsbericht für das erste Pandemiejahr 2020 vor. Laut den Daten des Statistischen Bundesamts hätte die Armutsquote (relative Einkommensarmut) 2020 einen Höchststand erreicht: 16,1 % der Bevölkerung (rund 13,4 Mio.) lagen unter der Armutsgrenze. Vor allem unter Selbstständigen hätte die Armut zugenommen. Der Wohlfahrtsverband appelliert an die Ampelkoalition, neben den in der Koalitionsvereinbarung angekündigten Maßnahmen wie die Einführung einer Kindergrundsicherung die Regelsätze in der Grundsicherung anzuheben.

Link zur Webseite des Paritäters mit weiteren Informationen

Link zum Armutsberichte 2021

Armut von Alleinerziehenden weiterhin überproportional hoch

Laut einer aktuellen Studie stagniert das Armutsrisiko Alleinerziehender in Deutschland auf weiterhin hohem Niveau. So ist ihr Anteil unter den ALG-II-Beziehenden fast fünfmal höher als bei Paarfamilien mit Kindern (34 % vs. 7 %). Da 88 % der Alleinerziehenden weiblich sind, sind vor allem Mütter betroffen. Dabei sind sie häufiger erwerbstätig und auch häufiger in Vollzeit tätig als Mütter in Paarfamilien.

Link zur Studie von Anne Lenze

Link zur Pressemitteilung der Bertelsmann-Stiftung

Aktuelle Studie zeigt Polarisierung der Wohnungssituation auf

In einer aktuellen von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie wurden die Wohnverhältnisse und die Wohnversorgung zwischen 2006 und 2018 in 77 deutschen Großstädten untersucht. Ergebnis der Forscher_innen um den Stadtsoziologen André Holm: Es zeigt kommt zu einer weiteren Polarisierung der Wohnungssituation. Zwar sind die sogenannten Mietbelastungsquoten in den den letzten Jahren sogar etwas zurückgegangen, es wurden in der Studie aber große soziale Unterschiede identifiziert. So müssen Haushalte unter der Armutsgrenze von 60 % des durchschnittlichen Einkommens rund 46 % ihres Einkommens für die Warmmiete aufbringen. Bei mehr als 140 % des Durchschnittseinkommens sind es knapp 20 %.

Link zur Pressemitteilung

Link zur Studie

Neue Pisa-Studie zeigt Bildungsungleichheit in Deutschland auf

„In Deutschland sind im Bereich Lesekompetenz systematische Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen sowie zwischen sozioökonomisch begünstigten und benachteiligten Schüler*innen festzustellen“, wie in den deutschlandspezifischen Ergebnissen des PISA-Berichts „21st-century readers“ der OECD gleich als erster Satz in der Zusammenfassung zu lesen ist. Deutschland schneidet dabei im Ländervergleich schlechter ab als der Durchschnitt, was die Bildungsungleichheit hinsichtlich des sozioökonomischen Status angeht.

Deutschlandspezifische Ergebnisse des PISA-Berichts „21st-century readers“

Entwurf des 6. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung wird kontrovers diskutiert

Der aktuelle Entwurf des 6. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung wird kontrovers diskutiert. Erstmals erfolgt die quantitative Bestimmung von Armut auf Basis des Lebenslagenansatzes. Dieser bezieht neben Einkommensarmut auch andere Armutsdimensionen wie Wohnen und Arbeit ein. Kritisiert wird bspw. vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPW), dass mit den gewählten Indikatoren Armut eher untererfasst würde. So wurden das Vermögen, nicht aber die Schulden durchgehend erfragt. Auch würden weiterhin Teile der Bevölkerung wie wohnungslose Menschen nicht miterfasst.

Entwurf des 6. Armuts- und Reichtumsberichts

Entwurf des 6. Armuts- und Reichtumsberichts (Kurzfassung)

Stellungnahme des DPW