Neuer Armutsbericht vom DPW

Auch dieses Jahr hat der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (DPW) wieder die Daten des Statistischen Bundesamts zur Einkommensarmut aufgearbeitet und in einem umfassenden Armutsbericht analysiert. Erstmalig seit mehreren Jahren ist die Armutsquote 2018 mit 15,5 % etwas gesunken (2017: 15,8 %). Trotzdem liegt damit noch fast jede_r Siebte unter der Armutsrisikogrenze von 60 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens in Deutschland. Regional stellt der DPW ein „viergeteiltes Deutschland“ fest: Der wohlhabendere Süden, ärmere Regionen in Ost und West sowie eine durchschnittliche Mitte. Im Bericht werden sofortige Maßnahmen wie die Anhebung des ALG-II_Satzes sowie des Mindestlohns gefordert, um die weitere Angleichung der Lebensverhältnisse zu ermöglichen.

Link zum Berichthttps://cloud.paritaet.org/index.php/s/YGZJWLJY5TQzZXM/download

ALG-II-Bezieher_innen achtmal so viel Fehltage aufgrund psychischer Erkrankung wie Erwerbstätige

Lt. aktuellem Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen (BKK) haben sich die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Dabei sind erwerbslose Menschen im ALG-II-Bezug weit überdurchschnittlich betroffen: Im Mittel weisen sie ca. das achtfache der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen gegenüber den Beschäftigten auf. Auch sonst fällt diese Versichertengruppe durch längere Falldauern und eine größere Betroffenheit von chronischen Krankheiten auf.

Link zum Gesundheitsreport

Verdeckte Altersarmut in Deutschland

Nach einem aktuellen Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) deutet die starke Nichtinanspruchnahme von Grundsicherung auf eine hohe verdeckte Altersarmut hin. So werde die Grundsicherung im Alter von rund 60 Prozent der Anspruchsberechtigten nicht in Anspruch genommen. Um diese verdeckte Altersarmut zu bekämpfen, sollte das Antragsverfahren lt. DIW vereinfacht und die Bewilligungsdauer verlängert werden.

Link zum Bericht

Einkommen in Deutschland immer ungleicher verteilt

Wie in einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung festgestellt wurde, befindet sich die Einkommensungleichheit „trotz der über Jahre guten wirtschaftlichen Entwicklung auf einem historischen Höchststand“, wie über den sogenannten Gini-Koeefizienten berechnet werden kann. Er lag Ende 2016 um 2 % höher als noch 2005. Hohe Einkommensgruppen konnten weiter zulegen, die untersten 40 % dagegen sind zurückgefallen. Die Armutsquote liegt im Berechnungsjahr 2016 auf einem entsprechend hohen Niveau von 16,7 %.

Link zum WSI-Verteilungsbericht 2019 https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_53_2019.pdf

Mietpreisbremse verfassungsgemäß

Das Bundesverfassungsgericht hat abschließend geurteilt, dass die Mietpreisbremse nicht gegen die Verfassung verstößt. Begründet wird dies u. a. in Absatz 60 des 33-seitigen Urteils:
„Der gesetzgeberische Zweck, durch die Begrenzung der Miethöhe bei Wiedervermietung der direkten oder indirekten Verdrängung wirtschaftlich weniger leistungsfähiger Bevölkerungsgruppen aus stark nachgefragten Wohnquartieren entgegenzuwirken, liegt im öffentlichen Interesse.“

Zum Urteil

Zur Pressemitteilung vom 20.08.2019

Einkommen in Deutschland regional ungleich verteilt

In einer Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung wurde das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte untersucht. „Verfügbar“ meint hier das Einkommen, das für Konsum verwendet oder gespart werden kann. Durchschnittlich hatten die Bürger_innen danach 2018 pro Kopf 23.295 Euro zur Verfügung – 12,3 % mehr als noch 2000. Der Durchschnitt trügt jedoch, denn Schlusslicht Gelsenkirchen hat mit nur 16.203 Euro weniger als die Hälfte von Spitzenreiter Starnberg (34.987 Euro) pro Kopf zur Verfügung (Daten aus 2016). Reichste Großstadt ist mit 29.685 Euro München.

Kurzberichthttps://www.boeckler.de/pdf/wsi_vm_verfuegbare_einkommen.pdf

Viele Kinder machen sich Sorgen um die finanzielle Absicherung ihrer Familie

Eine neue Studie zu Bedarfen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland im Auftrag der Bertelsmannstiftung ergab, dass die meisten von ihnen gut versorgt sind und Personen haben, die sich verlässlich um sie kümmern. Allerdings macht sich auch mehr als die Hälfte der befragten Kinder Sorgen um die finanzielle Absicherung ihrer Familie. In den Gruppendiskussionen, die das Team um die Kinderarmutsforscherin Sabine Andresen durchgeführt wurde, wurde in diesem Zusammenhang auch bon Ausgrenzungserfahrungen finanziell benachteiligter Kinder berichtet.

Link zu den bisherigen Ergebnissen

Neuer DPW-Armutsbericht erschienen

Unter dem Motto „Wer die Armen sind“, ist vor Kurzem der neue Armutsbericht des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands (DPW) erschienen. Als Datengrundlage diente dieses Mal das Sozioökonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW). Ergänzende qualitative Berichte zur Armut bestimmter Zielgruppen fehlen diesmal, dafür liegt der Fokus auf der Armutsbetroffenheit im Sinne relativer Einkommensarmut mit einer tiefergehenden Analyse, „wer die Armen sind“ (Titel). So werden laut Pressemitteilung „falsche Bilder der Armut [korrigiert]“ und eine „neue Armutspolitik“ gefordert. Bspw. seien nur 1/5 der Einkommensarmen arbeitslos. „Armut wird niemals in der Breite bekämpft werden können, ohne entsprechende Reformen in der Alterssicherung, ohne eine anspruchsvolle Arbeitsmarkt- und Mindestlohnpolitik und ohne einen Familienlastenausgleich, der arbeitende Eltern zuverlässig vor Armut schützt“, fordert  in der Pressemitteilung Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des DPW.

Armut verfestigt sich – und auch der Reichtum wird dauerhafter

Laut diesjährigem  Verteilungsbericht des wissenschaftlichen Instituts der Böcklerstiftung (WSI) werden in Deutschland  sowohl Armut als auch Reichtum dauerhafter – und zwar besonders in Ostdeutschland. Die Autorin fordert in ihrem Beitrag nicht nur die Bekämpfung verfestigter Armut, sondern auch „Maßnahmen, welche die soziale Durchmischung aller Bevölkerungsgruppen fördern“.

Hartz-IV-Empfänger_innen wohnen klein und teuer

Laut einer mehr als 1000-seitigen Antwort auf eine schriftliche Anfrage der LINKE teilt die Bundesregierung Ende Oktober mit, dass sich die Wohnfäche von Hartz-Empfänger_innen in den letzten Jahren zwar verkleinert hat (zwischen 2011 und 2017 von 63,30 auf 61,27 qm pro Bedarfsgemeinschaft), diese aber statt 4,79 Euro im Schnitt nun 6,10 Euro pro Quadratmeter zahlen müssen.  Insgesamt gab der Bund 1,5 Milliarden Euro für Wohnkosten von Hartz-IV-Empfänger_innen aus. Laut taz vom 07.11.2018 fordert die LINKE eine Veränderung von der bisherigen Subjekt- auf eine Objektförderung, d. h. die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Drucksache 19/5346