Kinderarmut in Deutschland oft Dauerzustand

In einer aktuellen Studie zu Kinderarmut in Deutschland wurde festgestellt, dass rund jedes 5. Kind mindestens fünf Jahre dauerhaft oder wiederkehrend in Armut lebt. Weitere 10 Prozent leben kurzzeitig in Armut. Definiert wurde Armut als Einkommensarmut (weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens oder Bezug von Grundsicherung). Als Konsequenz dieser Ergebnisse fordern die Autor_innen der Studie u. a. die Schaffung einer neuen finanziellen Leistung für Kinder, die bisherige familienpolitische Leistungen bündelt.

Link zur Kurzdarstellung

Link zur Studie

Hohe Mieten machen arm

Eine Studie der Humboldt-Universität hat die Mietbelastung der Menschen in 77 Städten Deutschlands untersucht. Danach müssen 40 % der Haushalte (Daten vom Mikrozensus 2014) mehr als 30 % ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Diese Mietbelastungsquote wird als problematischer Grenzwert angesehen, da hier i. d. R. nicht genug zum Leben übrig bleibt. Traurige Spitzenreiter bei den Durchschnittswerten sind Bonn (30,3 %), Neuss (30,1 %), Köln und Düsseldorf (rund 29 %). Einkommensunterschiede würden nach Ansicht der Forscher_innen beim Wohnen nicht mehr gemildert. Zitat: „Die Wohnbedingungen sind damit nicht nur ein Spiegel bestehender Ungleichheit, sondern tragen auch selbst durch die hohe Mietkostenbelastung zu einer wachsenden Ungleichheit bei.“

Link zum Kurzinfo

Link zur Studie

Deutschland wird mehrheitlich als sozial ungerecht bewertet

„Wie sozial gerecht geht es Ihrer Meinung nach in Deutschland im Allgemeinen zu?“ Über einen Zeitraum von 10 Tagen stellte das Berliner Meinungsforschungsinstitut Civey insgesamt 5.037 Bundesbürger_innen diese Frage. Die repräsentative Umfrage kam zu dem Ergebnis: 37,5 Prozent der Deutschen empfinden Deutschland als „eher ungerecht“,  24,2 Prozent als „sehr ungerecht“. Nur 37,5 Prozent der Deutschen halten dieses Land für sozial gerecht.

Link zu näheren Informationen

Immer mehr arm trotz Arbeit

Laut einer internationalen Vergleichsstudie hat sich europaweit der Anteil der sogenannten „Working Poor“ massiv erhöht. Deutschland liegt im Mittelfeld – und das bei einer Verdopplung der Menschen im Zeitraum 2004 bis 2014, die trotz Erwerbsarbeit von Einkommensarmut betroffen sind. Ein Grund hierfür sei, dass arbeitslose Menschen in Deutschland permanent unter Druck stehen, auch eine schlecht entlohnte Arbeit anzunehme. Das immer wieder von Regierungsseite aus beschworene Beschäftigungswachstum gründet sich lt. den Forscher_innen vor allem auf eine Zunahme an Teilzeit – und Niedriglohnstellen.

Link zum Report

Zukünftig jede_r 5. Neurentner_in von Altersarmut bedroht

Nach einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ist ab 2036 jede_r 5. Neurentner_in von Altersarmut bedroht. Am stärksten betroffen sind demnach alleinstehende Frauen, Niedrigqualifizierte und Langzeitarbeitslose. Auch starke regionale Unterschiede wurden mit der Studie identifiziert. So wird sich die Grundsicherungsquote nach den Berechnungen für Neurentner_innen aus den ostdeutschen Bundesländern von 5 auf 11 % verdoppeln, für diejenigen aus den westdeutschen nur von 5,5, auf 6 %. Schlussfolgernd wird u. a. ein Umbau des Alterssicherungssystems gefordert.

Link zur Kurzfassung der Studie

Link zur Studie

Kinderarmut ungleich verteilt in Deutschland

Wie eine Studie im Auftrag von Unicef ergab, ist die Kinderarmut in Deutschland regional ungleich ausgeprägt. Trotz guter Bedingungen für Kinder im internationalen Vergleich wachsen bspw. zwischen 30 und 35 Prozent der Kinder in Teilen des Ruhrgebiets und Berlin unter drei Jahren in Haushalten auf, die von Hartz IV leben. Ansonsten zeigt die Studie die bekannten Risikofaktoren wie Kinder in Alleinerziehenden-Haushalten und/oder solchen mit Zuwanderungsstatus und niedriger formaler Bildung auf. Eine der Empfehlungen von Unicef ist die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz.

Link zur Pressemitteilung

Link zur Studie

Kinderarmut ist vor allem die Armut minderjähriger Geflüchteter

Wie eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) ergeben hat, basiert die Zunahme der Kinderarmut in Deutschland vor allem auf der Armut minderjähriger Geflüchteter. Die Armutsquote (< 60 % des Durchschnittseinkommens) stieg insgesamt von 19,0 % 2014 auf 19,7 % 2015. Das Armutsrisiko von Kindern und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund ist allerdings in diesem Zeitraum leicht gesunken und auch bei Kindern, die zwar einen Migrationshintergrund haben, aber in Deutschland geboren wurden, ist keine nennenswerte Veränderung des Armutsrisikos festzustellen. Bei den nach Deutschland eingewanderten Minderjährigen dagegen ist die Armut zwischen 2011 und 2015 von 35,7 auf 48,9 Prozent gestiegen.

Link zur Studie

Link zur Website mit Kartenmaterial zum Download

 

 

Der 5. Armuts- und Reichtumsbericht ist da – zensiert?

Der 5. Armuts- und Reichtumsbericht ist erschienen und noch vehementer als schon beim letzten steht das böse Wort „Zensur“ im Raum. Eigentlich in der Mitte der Legislaturperiode fällig, hat der Bericht gerade noch vor den Neuwahlen das Licht der Öffentlichkeit erblickt. „Eine insgesamt positive Entwicklung der sozialen Lage in Deutschland“ liest das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus dem Bericht. Armut sei nur gefühlt gestiegen. Dagegen steht die Kritik u. a. des DPWV, „der neue Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung belege … faktenreich die zunehmende Ungleichheit von Einkommen und Vermögen“. Unangenehme Befunde seien zudem aus dem Bericht gestrichen worden. Machen Sie sich selbst ein Bild! Und wem 704 Seiten zu viel Lektüre sind – es gibt auch eine Kurzfassung…

Download 5. ARB

Download Kurzfassung

Kritik des DPWV

Fast eine Million Menschen erhalten seit Einführung des SGB II durchgängig Arbeitslosengeld II

Wie eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergeben hat, erhalten fast eine Million Menschen seit Einführung des SGB II durchgängig Arbeitslosengeld II, konnten also trotz prinzipieller Erwerbsfähigkeit nicht auf den Arbeitsmarkt vermittelt werden. Unter ihnen sind viele, die keinen formalen Bildungsabschluss haben bzw. als gering qualifiziert gelten. Lediglich einem guten Viertel gelingt es, den Leistungsbezug durch die Aufnahme einer ungeförderten Beschäftigung vergleichsweise schnell zu verlassen.

Link zum Kurzbericht des IAB

Unliebsame Befunde beim Armuts- und Reichtumsbericht?

Über die Medien ist es schon durchgesickert: Auch in dieser Legislaturperiode wird der noch nicht offiziell publizierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kritisiert, weil unliebsame Befunde wie zu Kinderarmut und Wohnungsnot zugunsten von „Erfolgsmeldungen“ im Bericht der Regierung „versteckt“ werden. Eine Pressemitteilung der Diakone Deutschland prangert dies an.

Pressemitteilung der Diakonie