Archiv für die Kategorie „Arbeit“

Zeitarbeit und befristete Arbeitsverträge sind keine Brücke in reguläre Arbeitsverhältnisse

Freitag, 30. April 2010

Wie eine aktuelle Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zeigt, hat sich die Zeitarbeit in Deutschland zwischen 2000 und 2007 verdoppelt. Wie auch befristete Arbeitsverhältnisse stellt Zeitarbeit allerdings “selten eine Brücke in reguläre Arbeitsverhältnisse” dar, wie der Vorstandsvorsitzende der Stiftung in der Pressemeldung zitiert wird.  Auch die Ungleichbehandlung von ZeitarbeiterInnen und Stammbelegschaft wird in der Studie problematisiert.  In Zeiten eines Anstiegs der “working poor”, also derjenigen, die trotz Arbeit in materieller Armut leben müssen, ist diese Studie als äußerst brisant zu bezeichnen.

Link zur Pressemeldung

Link zur Studie

Arbeitsangebote oder Arbeitszwang?

Dienstag, 20. April 2010

Wie Guido Westerwelle in der letzten (online nicht verfügbaren) Bild am Sonntag mitgeteilt hat, entscheidet das Kabinett morgen über Verschärfungen für die Gruppe der Unter-25-Jährigen im Rahmen der SGB-II-Leistungen. Sie sollen zukünftig gezwungen werden können, jedes Arbeits-, Aus- oder Fortbildungsangebot anzunehmen. Während die ZEIT dies lediglich als neutrale Information ins Netz stellt, schreibt die taz in einem Kommentar von “Arbeitszwang” und und einer Stigmatisierung der jungen Erwachsenen als “renitente Arbeitsverweigerer”. Entscheiden Sie selbst!

Link zum ZEIT-Artikel

Link zum Taz-Kommentar

Die Kultur-Tafel

Montag, 19. April 2010

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. In der heutigen Taz wird über die Berliner “Kulturloge” berichtet, die ab 26.4. Arbeitslosen und GeringverdienerInnen den Zugang zur Berliner Kultur erleichtern möchte – durch kostenlose Tickets, die als Freitickets von diversen Kultureinrichtungen zur Verfügung gestellt werden sollen. U. a. bei der Berliner Tafel kann man sich mit entsprechendem Einkommensnachweis hierfür anmelden. Vorteil: An den Abendkassen entfällt das würdelose Nachweisen des Einkommens, um ein ermäßigtes Ticket zu ergattern.

Link zum Taz-Artikel

Arbeit kann krank machen

Donnerstag, 25. März 2010

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) legt aktuell eine Studie zu “psychischen Belastungen in der modernen Arbeitswelt” vor.  Arbeitslosigkeit kann gravierende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen,  aber auch Arbeit kann krank machen, vor allem im psychischen Bereich. So sei die Zahl psychischer Erkrankungen aufgrund belastender Arbeitsbedingungen gestiegen.  “Die psychische Gesundheit des Menschen ist dann besonders gefährdet, wenn er an seinem Arbeitsplatz zwischen hoch verdichteten Anforderungen und komplexen Abhängigkeiten erlebt, dass er mit seinen Entscheidungen und Handlungen wenig oder nichts bewirkt”, wird BPtK-Präsident Richter in einer Pressemitteilung der BPtK zitiert.  Vor allem die Dienstleistungsbranche ist  betroffen. Empfohlen wird die Verstärkung betrieblicher Prävention und – naheliegend für die BPtK – für die Betroffenen eine Psychotherapie.

Link zur Presseerklärung der BPtK

Link zur Studie der BPtK

Frauen in Führungspositionen verdienen 28 % weniger als Männer

Donnerstag, 25. März 2010

Hat es eine Frau einmal in eine Spitzenposition geschafft, verdient sie dort im Schnitt 28 % weniger als Männer in vergleichbaren Positionen. Dies teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Pressemitteilung zum “Equal Pay Day” am 26.3. mit.  Damit ist der Einkommensunterschied hier noch höher als allgemein in Deutschland (23,2 %). Auch im europäischen Vergleich mach Deutschland keine gute Figur, denn die Verdienstungleichheit liegt dort bei durchschnittlich 18 %.

Link zur Pressemitteilung des DIW

Kein gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Samstag, 6. März 2010

Wie die Europäische Kommission im aktuellen Eurobarometer feststellt, verdienen Frauen im EU-Durchschnitt 18 % weniger als ihre männlichen Kollegen. In Deutschland sind es sogar 23,6 % weniger – vor allem durch die überproportional hohe Teilzeitarbeit von Frauen. Die neue Kommissarin für Justiz und Grundrechte, Viviane Reding, stellt dazu fest, dass dies nicht nur unfair ist, sondern auch das Wirtschaftswachstum behindert. Eine “Charta für Frauen” soll in den nächsten fünf Jahren als neue EU-Strategie zur Verbesserung der Gleichstellung von Frauen und Männern entwickelt werden.

Link zur Mitteilung der Europäischen Kommission

Link zum Eurobarometer (Englisch)

Studie widerlegt Westerwelle

Dienstag, 2. März 2010

Wie eine aktuelle Studie des DPWV belegt, ist Westerwelles Debatte über das Lohnabstandsgebot unseriös geführt. Westerwelle hatte vorgerechnet, dass GeringverdienerInnen z. T. weniger Geld zur Verfügung haben als Hartz-IV-BezieherInnen und dabei Ansprüche der GeringverdienerInnen auf Wohngeld, Kindergeldzuschläge etc. unter den Tisch fallen lassen. In der Studie wird nun anhand von 196 Beispielrechnungen belegt: “Wer in Deutschland Vollzeit arbeitet, hat mehr als der, der nicht arbeitet.” (DPWV).

Link zur DPWV-Website und zum Download der Studie

Im europäischen Vergleich eher geringe Sozialleistungen in Deutschland

Samstag, 20. Februar 2010

Westerwelle und andere PolitikerInnen sollten ab und zu die einschlägigen Untersuchungen lesen (das ist optimistisch gedacht, viel schlimmer ist die Vermutung, dass sie es tun und sie bewusst ignorieren!): Wie die OECD in einer aktuellen vergleichenden Studie herausgefunden hat, sind die Sozialleistungen für Langzeitarbeitslose in Deutschland absoluter Durchschnitt – im europäischen Vergleich sogar eher gering! So erhält ein Langzeitarbeitsloser in Deutschland 36 % seines früheren Nettoeinkommens durch Sozialleistungen wie Hartz IV. In den Niederlanden sind es 61 %! Lediglich Alleinerziehende sind in Deutschland besser gestellt als der Durchschnitt.

Link zu den Informationen der OECD

Kein Absturz der Mittelschicht

Samstag, 20. Februar 2010

Laut Süddeutscher Zeitung (SZ) hat das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in einer aktuellen Studie herausgefunden, dass (noch immer) die Angst der Mittelschicht vor einem Absturz in Armut unbegründet ist. Grundlage sind die Daten von Hartz-IV-EmpfängerInnen. Nur einer von tausend hat nämlich vor dem Bezug von Hartz IV 3.500 Euro brutto  oder mehr verdient, und auch nur jede/r 10. 1.500 Euro und mehr.  Da die Angst der Besserverdienenden immer auch ein Druckmittel der Politik ist, sind die Ergebnisse durchaus politisch brisant – wenn sie denn von den WählerInnen wahrgenommen werden. Die Studie ist zz. noch nicht veröffentlicht.

Link zum Artikel in der SZ

Diverses zu Hartz IV

Montag, 15. Februar 2010

Im Wochenbericht 6/2010 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist nachzulesen, dass der allergrößte Teil der Arbeitslosen bereit ist einen angebotenen Job anzunehmen – und dies ebenfalls auf die arbeitslosen Hartz-IV-EmpfängerInnen zutrifft. Nichstdestotrotz nimmt die Diskriminierung und Diskreditierung von Hartz-IV-EmpfängerInnen auch in hochrangigen Politikkreisen zu, wie die Ausfälle des Außenministers (!) Westerwelle zeigen. Wer’s nochmal im Original lesen will: “Die Welt” vom 11.2.2010.

Link zum Wochenbericht des DIW

Link zum Gastkommentar von Westerwelle in der Welt