Wie die OECD in ihrer aktuellen Studie zu Kinderarmut feststellt, wächst diese in fast allen OECD-Ländern an. Im OECD-Durchschnitt sind 12,7 % der Kinder von Einkommensarmut betroffen, in Deutschland sind es 8,3 %. (Achtung: Die OECD setzt die Armutsrisikogrenze bei 50 % des nationalen Durchschnittseinkommens an, EU-weit liegt diese Grenze bei 60 %, der Anteil der Betroffenen läge nach der EU-Konvention also deutlich höher). Empfehlungen der OECD zur Reduzierung der Kinderarmut sind u. a. familienfreundliche Arbeitsplätze in Kombination mit Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder, Erziehungsurlaubsregelungen sowie stärkere Investitionen in frühkindliche Bildung. Für alle Länder liegen Kurzinformationen in der Landessprache vor.
Archiv für die Kategorie „Kinderarmut“
Kinderarmut wächst länderübergreifend
Donnerstag, 28. April 2011Fauler Kompromiss bei Hartz IV?
Dienstag, 22. Februar 2011Der mühselig gefundene Kompromiss bei den Verhandlungen um eine Regelsatzerhöhung, das Bildungspaket für Kinder und Mindestlöhne stößt weder bei den Betroffenen noch den Sozialverbänden auf Begeisterung. Der Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV) kritisiert das Ganze als “erbärmlichste Farce, die die deutsche Sozialpolitik je erlebt hat”, der DGB hat “große Zweifel, ob die Regelsätze den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts genügen”, nur Ministerin von der Leyen will “sozialpolitische Geschichte” geschrieben haben (nachzulesen z. B. auf Stern.de). Es bleibt abzuwarten, ob und ggf. in welcher Form das Bundesverfassungsgericht die neue Regelsatzerhöhung noch einmal überprüft – da sie nicht errechnet, sondern politisch ausgehandelt wurde, entspricht sie wohl kaum den Vorgaben des legendären Urteils aus 2010…
Studie zu Sozialer Gerechtigkeit
Donnerstag, 13. Januar 2011“Deutschland hat in Sachen sozialer Gerechtigkeit noch einigen Nachholbedarf.” So beginnt die Studie im Auftrag der OECD, die die Bertelsmann Stiftung aktuell vorgelegt hat. Stichwörter sind u. a. hohe Armutsquoten, Defizite beim Bildungszugang und Arbeitsmarktinklusion. Empfohlen wird, “sich bei der Suche nach adäquaten Problemlösungsansätzen von erfolgreichen Maßnahmen und
Prioritätensetzungen in anderen Ländern inspirieren zu lassen.”
Deutschland wenigstens mittelmäßig!
Mittwoch, 8. Dezember 2010Laut aktueller PISA-Studie mit den Ergebnissen aus 2009 ist Deutschland wenigstens im Mittelmaß angekommen. So haben sich die Lesefähigkeiten der getesteten SchülerInnen – vor allem dank derjenigen mit Migrationshintergrund – verbessert. Weiter prägend ist in Deutschland der sozio-ökonomische Hintergrund der Familie, aber auch das Umfeld der Schule. In keinem anderen Land hat ein sozial ungünstiges Schulumfeld einen derart starken Einfluss auf die Leistungen von Kindern aus sozial schwachen Familien. Im Ländervergleich zeigt sich, dass gleiche Bildungschancen, unabhängig vom Status und Gehalt der Eltern, auch die erfolgreichsten Schulsysteme generiert. Auf der deutschsprachigen OECD-Seite finden sich neben der Pressemitteilung weitere Links zu den Ländererichten sowie der Gesamtstudie.
Hartz IV wird schön gerechnet
Donnerstag, 23. September 2010Die Bundesregierung muss das Urteil des Bundesverfassungsgerichts umsetzen und neben der Neuberechnung der Arbeitslosengeld-II-Sätze (vor allem für Kinder) auch ihre Berechungsgrundlagen transparent machen. Während bereits die ersten möglichen neuen Regelsätze durch die Presselandschaft wandern (420 Euro für einen Alleinstehenden?), wird über die Grundlage für die Berechnung noch eisern geschwiegen. Gerüchte kommen auf, dass so lange hin- und hergerechnet wird (Langzeitarbeitslose aus den ärmsten 20 % der Bevölkerung herausnehmen? Abschläge wieviel von was?), bis der neue Regelsatz zum Budget passt. Parallel werden Kürzungen beschlossen wie das Einsparen des Rentenversicherungsbeitrags und das Elterngeld für Arbeitslosengeld-II-Bezieher/-innen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Link zur ZEIT vom 16.09.2010: “Rechnen, bis die Zahlen passen”
Link zu taz.de über die vereinbarten Kürzungen
2. World Vision Kinderstudie herausgegeben
Donnerstag, 8. Juli 2010Die 2. World Vision Kinderstudie von Klaus Hurrelmann und anderen ForscherInnen beschäftigt sich nicht ausschließlich mit armen Kindern, aber auch in dieser zweiten Studie wurde herausgearbeitet, dass Kinder je nach Schichtzugehörigkeit unterschiedliche Gestaltungsspielräume haben. Risikofaktoren für ein Aufwachsen in Armut sind eine niedrige soziale Herkunftsschicht, ein alleinerziehender Elternteil sowie fehlende Integration der Eltern in den Arbeitsmarkt. Fast die Hälfte der Kinder der Unterschicht haben einen
Migrationshintergrund. In der bundesweiten repräsentativen Befragung wurden Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren zu ihrer Lebenswelt, ihren Werten, Wünschen und Zielen befragt. Die Studie ist im Buchhandel erhältlich, eine Zusammenfassung kann downgeloadet werden.
Sparen an den Armen?
Dienstag, 8. Juni 2010Die Schwarz-Gelbe Koalition hat nach ihrer Sparklausur nun verkündet, wie sie das Defizit im Bundeshaushalt verringern will. Wie schon erwartet wurde, wird – vor allem ab 2012 – vor allen bei den Ärmeren gespart: 11 Milliarden sollen Kürzungen bei den Sozialeinsparungen bringen gegenüber 8 Milliarden bei der Wirtschaft. Gespart (bzw. gestrichen) werden soll an den Vermittlungsmaßnahmen für Erwerbslose, den Rentenzuschüssen für Hartz-IV-EmpfängerInnen, den Zuschlägen beim Übergang von Alg I zu Alg II, beim Elterngeld etc. Allerdings soll u. a. auch eine Finanztransaktionssteuer 2 Milliarden Euro einbringen.
Berichte und Kommentare auf:
www.zeit.de
www.taz.de
www.spiegel.de
Die Kultur-Tafel
Montag, 19. April 2010Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. In der heutigen Taz wird über die Berliner “Kulturloge” berichtet, die ab 26.4. Arbeitslosen und GeringverdienerInnen den Zugang zur Berliner Kultur erleichtern möchte – durch kostenlose Tickets, die als Freitickets von diversen Kultureinrichtungen zur Verfügung gestellt werden sollen. U. a. bei der Berliner Tafel kann man sich mit entsprechendem Einkommensnachweis hierfür anmelden. Vorteil: An den Abendkassen entfällt das würdelose Nachweisen des Einkommens, um ein ermäßigtes Ticket zu ergattern.
Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Hartz IV online
Dienstag, 9. Februar 2010Mittlerweile ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) auf deren Website online gestellt. Wer die (ausgedruckt) 37 Seiten nicht lesen möchte, kann sich zunächst die 6-seitige Pressemitteilung ansehen und sich dann neu entscheiden. Derweil hat auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie vor dem Stellen von Anträgen auf zusätzliche Leistungen (s. vorheriger Beitrag) abrät – diese seien nur für ganz besondere Härtefälle vorgesehen. Die Pressemitteilung der BA wurde bereits per Newsletter verschickt, steht aber noch nicht online zur Verfügung.
Hartz IV vor und nach der Urteilsverkündung des Bundesverfassungsgerichtes
Dienstag, 9. Februar 2010Die Entscheidung des Bundesverfassungsgericht ist verkündet, lange wurde spekuliert, wie das Gericht zu den (Kinder)regelsätzen urteilen wird. Lt. Spiegel-online wurde vor 20 Minuten (auf eine Klage von drei Familien) verkündet: 1.) Die Berechnung der Hartz-IV-Regelsätze ist verfassungswidrig. 2.) Sie bleibt zunächst bis zum Jahresende in Kraft. 3.) Ab 1. Januar 2011 muss es eine Neuregelung geben. 4.) Bis dahin können (in seltenen Fällen) ergänzende Leistungen beansprucht werden, soweit dies zur Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums erforderlich ist. Die Website des Bundesverfassungsgerichts ist derweil nicht erreichbar, vermutlich ist sie unter Millionen von Anfragen seit 10 h zusammengebrochen…
Bereits vor dem Urteil schrieben sich deutsche JournalistInnen die Finger wund, denn nach 5 Jahren Erfahrungen zu Hartz IV gibt es höchst unterschiedliche Einschätzungen zum Erfolg der Jahrhundertreform/Jahrhunderblamage. Empfehlenswert der ausführliche Artikel in der aktuellen ZEIT und der Überblick zu allen Hartz-Gesetzen I-IV in der Frankfurter Rundschau vom Wochenende.