Archiv für die Kategorie „Gesundheit“

“Kopfpauschale” – Kritik am Koalitionsvertrag

Montag, 26. Oktober 2009

Der Koalitionsvertrag von Schwarz/Gelb steht und schon hagelt es Kritik.  Vor allem die geplante Kopfpauschale (neuer Name: einkommensunabhängiger Arbeitsnehmerbeitrag, s. S. 78 Koalitionsvertrag) im Gesundheitswesen stößt nicht auf Gegenliebe der Opposition, aber auch nicht der Wohlfahrtsverbände, die den Plan als Ende der solidarischen Finanzierung des Gesundheitssystem bezeichnen.  Unklar ist auch noch, wie der geplante “soziale Ausgleich” für Geringverdienende aussehen soll.  Alles sieht nach einer weiteren Verteuerung der Krankenversicherung aus – zulasten der ärmeren Teile der Bevölkerung.

Link zum Koalitionsvertrag

Kommentar auf tagesschau.de

Artikel in der Taz

Analyse auf Spiegel online

Selbstmordserie aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen in Frankreich

Dienstag, 20. Oktober 2009

Dass Arbeitslosigkeit zu gesundheitlichen Belastungen bis hin zu einer höheren Selbstmordrate führt, ist bekannt (s. unsere Meldung vom 10.7.09). In der Tageszeitung musste man nun gestern lesen, dass auch ein durch Stress und Angst geprägtes Arbeitsklima  zu Selbstmorden führen kann. So gibt es offenbar bei der France Télécom eine regelrechte Selbstmordserie aufgrund der Arbeitsbedingungen vor Ort. U. a. Arbeitsmediziner/-innen sprechen von “strategischem Mobbing” in dem Unternehmen. In mehreren Abschiedsbriefen der bisher 25 Selbstmörder/-innen in den vergangenen 18 Monaten soll explizit als Grund die Arbeitsbedingungen bei France Télécom genannt worden sein.

Link zum taz-Artikel

Wirtschaftskrise führt zu mehr Selbstmorden in Europa

Freitag, 10. Juli 2009

In einer britischen Studie, bei der die Forscher Daten aus 26 europäischen Ländern untersucht haben, wurde festgestellt, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Anstieg von Arbeitslosen und der Selbstmordrate gibt.  So steigt bei jedem Prozent Anstieg der Arbeitslosenquote die der Selbstmorde (Unter-65-Jährige) ebenfalls um 0,8 %.  Die Studie, deren Ergebnisse in der medizinischen Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht wurden, hat hierfür Daten aus 40 Jahren berücksichtigt. Sie ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass die sozioökonomischen Rahmenbedingungen den Gesundheitszustand von Menschen beeinflussen.

Abstract/The Lancet

Link zum Artikel auf tt.com

Wirtschaftskrise führt zu Anstieg der Arbeitslosigkeit auch in Deutschland

Donnerstag, 30. April 2009

Einerseits verdrängt die aktuelle, globale Wirtschaftskrise seit Längerem die Armutsproblematik von den Titelseiten der Medien. Andererseits ist mittlerweile bei uns allen angekommen, dass nicht nur Wirtschaftsbetriebe von der Krise betroffen sind.  Erwartet wird ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen auf 3,7 Mio. dieses Jahr und auf 4,6 Mio. nächstes Jahr.  Die “Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik” hat nun ihr “Memorandum 2009″ vorgelegt. Die in der AG zusammengeschlossenen WirtschaftswissenschaftlerInnen und GewerkschafterInnen fordern nicht weniger als den sozialen und ökologischen Umbau des Systems oder kurzgefasst: Mehr Staat, u. a. durch Investitionen in Bildung, Gesundheit und die Anhebung von Hartz IV.

Link zur Website der AG

Link zur Kurzfassung des Memorandums

Arme Kinder, kranke Kinder

Dienstag, 24. Februar 2009

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz hat den neuen Bericht zu den Einschulungsuntersuchungen 2007 in Berlin vorgestellt. Zwar wird den Berliner Kindern dort insgesamt eine gute Gesundheit attestiert, Unterschiede gibt es aber nach wie vor bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien. So weisen diese einen schlechteren Gesundheitszustand auf und nehmen auch seltener an den Früherkennungsuntersuchungen teil.  Bei letzteren spiele auch die Herkunft eine Rolle, so werden die U1 bis U8 z. B. von Kindern arabischer Herkunft sehr viel seltener wahrgenommen.

Link zur Pressemitteilung

Link zum Bericht

Praxisgebühr hält Arme vom Arztbesuch ab

Sonntag, 25. Januar 2009

Wie u. a. die Frankfurter Rundschau berichtet, hat eine aktuelle Untersuchung der Bertelsmann Stiftung ergeben, dass chronisch kranke Menschen seit Ein­führung der Praxisgebühr seltener zum Arzt gehen. Aber nicht nur der Gesundheitszustand, sondern auch das Einkommen beeinflusst offenbar das Verhalten der Kranken: Je niedriger das Einkommen, desto seltener gehen die Kranken zum Arzt! Die gewünschte Steuerung durch die Praxisgebühr funktioniert also vor allem bei armen, chronisch kranken Menschen – das kann nicht Ziel des Gesundheitsmodernisierungsgesetz gewesen sein.

Link zum Artikel der FR

Alleinerziehend – arm – krank

Samstag, 6. Dezember 2008

Wie die taz Berlin heute im Rahmen ihrer Berichterstattung über den zz. in Berlin stattfindenden Kongress “Armut und Gesundheit” mitteilt, sind Alleinerziehende besonders von sozialer Ungerechtigkeit betroffen – sie sind häufiger arm und auch häufiger krank als verheiratete Mütter. Dieser bereits seit Jahren bekannte Trend stellt sich in Berlin besonders dramatisch dar: So ist hier bereits jede dritte Familie mit Kindern unter 18 Jahren alleinerziehend – und die Hälfte von ihnen auf Hartz IV angewiesen. Neben den gesundheitlichen Auswirkungen auf die Alleinerziehenden selbst sind auch ihre Kinder stärker von psychischen Problemen, Entwicklungs- und Essstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten betroffen.

Link zum taz-Artikel

Demo am internationalen Tag für die Beseitigung der Armut

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Für Fr., den 17.10.2008 ruft der Arbeitskreis “Marginalisierte – gestern und heute!” zur Demo in Berlin auf. Forderungen sind u. a. die Bekämpfung jeder Form von Diskriminierung, Kriminalisierung und Ausgrenzung aller Menschen, die von Armut betroffen sind, und die Gewährleistung des Rechts auf existenzsichernde Arbeit unter menschenwürdigen Bedingungen.

Link zum Demoaufruf

Starthilfe für Erstklässler und billige Pflegekräfte

Montag, 18. August 2008

Kaum freut man sich beim morgendlichen Zeitungslesen über eine gute Nachricht für Berliner Kinder aus finanziell schwachen Familien, liest man ein paar Seiten weiter den mindestens ambivalente Gefühle auslösenden Artikel über billige Pflegekräfte durch kurzausgebildete Langzeitarbeitslose. Der Reihe nach:

Fast alle Tageszeitungen bringen heute eine kurze Nachricht zur Entscheidung des Berliner Senats, finanziell bedürftigen Berliner Erstklässlern ab dem kommenden Schuljahr ein sog. “Starter-Paket” zu gewähren, das aus einem Härtefallfonds finanziert werden soll. Insgesamt 300.000 Euro sollen die Bezirke hierfür zur Verfügung gestellt bekommen. Initiiert hat das Ganze die Linke.

Link zur Nachricht im Tagesspiegel

In der Taz werden heute die Pläne der Bundesagentur für Arbeit problematisiert, Arbeitslose nach einer kurzen Schulung für die Betreuung von Demenzkranken einzusetzen. Betont wird von allen offiziellen Seiten, dass dadurch keine qualifizierten Kräfte ersetzt werden sollen, sondern zusätzliche Unterstützung gewährt werden soll – z. B. durch Vorlesen, Halmaspielen etc. Dementsprechend unterschiedlich sind die Reaktionen. Während das Vorhaben z. B. durch den Verein für selbstbestimmtes Wohnen im Alter e. V. begrüßt wird, finden es andere wie der Verein für Behindertenhilfe in Hamburg “sträflich”, “Langzeitlose auf Demenzkranke loszulassen”. Die Gewerkschaft Ver.di sieht die Gefahr, dass noch mehr Billigkräfte die Situation der PatientInnen in der Pflege weiter verschlechtern. Und ob man der Versicherung vertrauen kann, keine Festangestellten dafür einzusparen, ist noch die große Frage…

Link zum Artikel in der Taz

Aktionsplan der SPD gegen Kinderarmut

Mittwoch, 11. Juni 2008

In ihrem am 09. Juni bekanntgegebenen Aktionsplan gegen Kinderarmut stellt die SPD u. a. folgende Maßnahmen/Handlungsansätze vor: Ausbau von Kindertagesstätten zu Eltern-Kind-Zentren, Verbesserung der Betreuungsqualität und Sicherung eines gesundes Mittagessens für alle Kinder, gebührenfreie Bildung von der Kita bis zur Hochschule, Ableitung der Regelsätze vom Bedarf sowie die Einberufuzng einer Nationalen Kinderkonferenz. Dabei betont die SPD, bereits in den vergangenen Legislaturperioden einen Paradigmenwechsel in der Familien- und Bildungspolitik eingeleitet zu haben und gegen den Widerstand der CDU auch weiter fortsetzen zu wollen. So wird (natürlich) auch der Aktionsplan gegen Kinderarmut zur parteipolitischen Profilierung genutzt.

Link zum Aktionsplan der SPD